Die Dominikaner heute

Die Dominikaner heute

Der Orden des hl. Dominikus ist von Anfang an vor allem für die Predigt und das Heil der Menschen gegründet worden. Unsere Konstitutionen (die Eigengesetze unseres Ordens) halten darum fest:

„Da wir also an der apostolischen Sendung teilhaben, übernehmen wir auch die Lebensweise der Apostel in der Form, die der hl. Dominikus entworfen hat. Wir führen einmütig das gemeinsame Leben, wir stehen treu zu den evangelischen Räten, wir pflegen mit Freude die gemeinsame Feier der Liturgie, vor allem der Eucharistie und des Stundengebetes, und das persönliche Gebet, wir widmen uns intensivem Studium, wir stehen zu den klösterlichen Lebensformen. Diese Elemente unseres Lebens fördern nicht nur die Ehre Gottes und unsere Heiligung, sie dienen auch direkt dem Heil der Menschen, da sie miteinander verbunden auf die Predigt vorbereiten und zu ihr hinführen, sie prägen und ihrerseits von ihr geprägt werden. Diese verschiedenen Elemente, die miteinander in engem Zusammenhang stehen, aufeinander abgestimmt sind und sich gegenseitig befruchten, machen als Ganzes das Besondere des Ordens aus, d.h. ein im vollen Sinn apostolisches Leben, in dem Predigt und Lehrtätigkeit aus der Fülle der Kontemplation fließen müssen.“ (Fundamentalkonstitution § IV, in: Buch der Konstitutionen und Ordinationen der Brüder des Predigerordens)

Unsere Lebensform zeichnet sich dadurch aus, dass wir in unserer Profess (der Ablegung der Gelübde) ein Leben nach den evangelischen Räten versprechen: ein Leben in Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Die Armut mahnt uns zu einem einfachen Lebensstil, der uns frei von unnötigen Dingen handeln lässt. Ehelosigkeit ist die freiwillige Entscheidung, unser Leben nicht auf eine Partnerschaft oder Familie zu beschränken, sondern uns zu ermöglichen Zeugen für Gottes Handeln in der Welt zu sein. Der Gehorsam stellt uns in den Dienst der Kirche und des Ordens. Das Leben nach den evangelischen Räten ist eine Herausforderung, aber eine aufregende und erfüllende Herausforderung. Vier Werte, auf die sich unser Orden seit fast 800 Jahren gründet, helfen uns dabei:

Gebet

Als Dominikaner leben wir aus der Kraft der Kontemplation (Betrachtung). Dazu gehören Gebet, Schriftlesung und Meditation, die Feier der Eucharistie, das Stundengebet – und auch das persönliche Studium. Der hl. Thomas von Aquin hat Kontemplation als „einfachen Anblick der Wahrheit selbst“ beschrieben. Er drückt damit aus, was uns heute noch bewegt: Wahrheitssuche nicht nur als Aufgabe wissenschaftlicher Auseinandersetzung zu verstehen, sondern als Ausdruck unseres Glaubens. Wir leben in der Spannung von Kontemplation und Aktion, die Thomas mit den Worten contemplari et contemplata aliis tradere ausgedrückt hat: das in der Betrachtung Erfahrene anderen weitergeben.

Gemeinschaft

Unser Gemeinschaftsleben ist von der demokratischen Struktur des Ordens geprägt. Versammlungen der Brüder (so genannte Kapitel) beraten regelmäßig über unser Leben und unsere Sendung; die Amtsträger werden auf bestimmte Zeit gewählt. In unserer Provinz leben wir in Gemeinschaften mit drei bis zwölf Brüdern zusammen. Gemeinschaftsleben bedeutet für uns nicht nur, dass mehrere Leute unter einem Dach leben, sondern dass wir bereit sind, unser Leben miteinander zu teilen. Unsere Herausforderung besteht darin „ein Herz und eine Seele in Gott“ zu sein. Leben im Dominikanerorden schließt das Versprechen ein, alles gemeinsam zu besitzen. Wir leben zusammen, beten zusammen und verstehen unseren Predigtauftrag als Auftrag der ganzen Gemeinschaft. Diese Aufgabe versuchen wir gemeinsam zu gestalten und auszuführen. Gemeinschaftsleben bedeutet auch, dass jeder seine Fähigkeiten einbringt, auch im alltäglichen Zusammenleben.

Studium

Schon der hl. Dominikus sah das Studium als wesentlichen Bestandteil der „heiligen Predigt“. Das war, bei Gründung des Ordens im 13. Jahrhundert, eine echte Neuerung, denn ein großer Teil der Priester war schlecht ausgebildet. Dominikus schickte die Brüder an die Universitäten um dort zu studieren und zu predigen. Bis heute hat das Studium für uns eine besondere Bedeutung. Es schließt die Kenntnis der Geschichte und Ordenstradition ebenso ein wie die Auseinandersetzung mit den wichtigen Fragen und Strömungen unserer Zeit. Wenn unsere Konstitutionen davon sprechen, das Studium helfe uns, durch unsere Predigt „den Wahrheitsdrang der Menschen auszubilden“, verweisen sie darauf, dass das Studium für uns kein Selbstzweck ist. Wie die Kontemplation ist es darauf ausgerichtet, das Erfahrene weiterzugeben. Wir sehen im Studium eine Möglichkeit Augen und Herzen zu öffnen um besser zu verstehen unter welchen Bedingungen Menschen heute leben und glauben.

Predigt

Unsere Konstitutionen halten uns bewusst, dass wir zu allen Menschen gesandt sind, zu Gläubigen und Nicht- gläubigen. Damit wir die Menschen erreichen „müssen wir nicht nur auf die Situationen und Anliegen der Menschen eingehen, die wir ansprechen, wir müssen auch lebendigem Austausch mit ihnen stehen“. In unserer Provinz predigen und arbeiten wir an Kirchen, in Gemeinden und an unserem Gymnasium. Dominikaner sind als Professoren oder Wissenschaftler an unseren Instituten tätig. Sie sind Seelsorger in Krankenhäusern und Gefängnissen – dort wo Menschen am Rand leben. Sie sind in der Erwachsenenbildung und Jugendarbeit tätig. Das Heil der Menschen, dem wir verpflichtet sind, schließt für uns den Einsatz für Frieden und Gerechtigkeit ein, damit Menschen würdig leben können.

Aufbau und Struktur des Ordens

Den Orden der Predigerbrüder zeichnet seit seiner Gründung eine demokratische Verfassung aus. Alle Brüder tragen gemeinsam die Verantwortung für die Verwirklichung der Ziele ihrer Ordensgemeinschaft. Es gibt ein Mitspracherecht auf allen Ebenen. Alle Oberen werden auf Zeit gewählt. Alle wichtigen Entscheidungen werden von der Gemeinschaft der Brüder (oder der von ihnen gewählten Delegierten) im Konvents-, Provinz- oder Generalkapitel getroffen.
Die kleinste Einheit des Ordens ist der Konvent. Hier leben die Brüder in Gemeinschaft zusammen, erfüllen ihre Aufgaben in Seelsorge und Verkündigung oder Wissenschaft. Der Obere eines Konventes wird Prior genannt und für drei Jahre gewählt. Der jeweilige Prior eines Hauses nimmt am Provinzkapitel teil, das alle vier Jahre stattfindet.
Mehrere Konvente bilden eine Provinz, der der Provinzial vorsteht. Er wird vom Provinzkapitel für vier Jahre gewählt. Der Provinz als ganzer kommt entscheidende Bedeutung zu in den Bereichen Ausbildung, Weiterbildung, personelle Besetzung der Konvente (Versetzungen), konventsübergreifender Aufgaben.
Alle Provinzen zusammen bilden den Gesamtorden, dem der Ordensmeister vorsteht. Er wird auf neun Jahre gewählt.
Das Generalkapitel ist das höchste Entscheidungsgremium des Ordens.

Die Dominikaner heute ultima modifica: 2016-05-08T12:05:08+00:00 da toni fontana