Die Geschichte der Basilika

Die Geschichte der Basilika

Der Doge Jacopo Tiepolo (+1242) hatte eines Nachts einen Traum. Er sah das sumpfige Umland des Oratoriums des hl. Daniels voll wunderbarer Blumen und über ihnen Tauben schweben, die ein goldenes Kreuz auf dem Kopf trugen. Plötzlich stiegen zwei Engel vom Himmel, die Weihrauchfässer mit duftenden Spezereien schwangen und eine Stimme war zu hören: „Diesen Ort habe ich für meine Predigerbrüder erwählt.“
Am folgenden Tag erzählte der Doge dem Senat von seiner Vision und erhielt die Unterstützung, den Dominikanern, die bereits seit über einem Jahrzehnt in Venedig ansässig waren und immer noch bei den Laubengängen von St. Martin wohnten, einen Konvent zu schenken.

Geschichte oder Legende?

Handelte es sich bei der Vision um Realität oder einen Kunstgriff Jacopo Tiepolos, der die Präsenz der Dominikaner als äußerst nützlich für Venedig ansah und darüber sagte: „eorumque moram in civitate Venetiarum nobis et toti populo per necessariam existimantes.“? Wie auch immer es gewesen sein mag: 1234 wurde die Schenkungsurkunde unterzeichnet und der großzügige Akt auf dem Grabmal des Dogen festgehalten: „Omnia praesentis donavit praedia templi” (2. Grab links an der Fassade).

Die Kirche wurde, vielleicht auf Wunsch des Dogen, den heiligen Brüdern Johannes und Paulus (Zanipolo für die Venezianer), römischen Märtyrern des 4 Jahrhunderts, geweiht. Die Kirche des 13. Jahrhunderts, von der nur der untere Teil der Fassade erhalten zu sein scheint, wurde schnell vollendet. Aber die Bedeutung der Kirche, die sogleich als Grablege vieler Dogen gewählt wurde und die rasche Zunahme dominikanischer Tätigkeiten, erforderten eine Erweiterung.
Anfang des 14. Jahrhunderts wurde mit der Errichtung der großartigen Gewölbe begonnen; eine Arbeit, die von den Dominikanern Fra Benvenuto aus Bologna und Fra Nicolò aus Imola (Baumeister der heute zerstörten Kirche des hl. Augustinus in Padua und S. Nicolòs in Treviso) ausgeführt und 1368 beendet wurde (Inschrift am ersten Bogen links bei der Orgel).

Anfang des Jahrhunderts wurden einige venezianische Patrizier zu Prokuratoren der Bauhütte von S. Zanipolo ernannt, um die Vollendung und Ausschmückung der Kirche zu gewährleisten. Fast zweihundert Jahre nach ihrer Gründung, am 14. November 1430, wurde die Kirche von dem Dominikaner Antonio Correr, dem aus einer venezianischen Patrizierfamilie stammenden Bischof von Ceneda und Neffen Papst Gregor XII., geweiht.
1437 wurde die Scuola Grande di S. Marco, die ursprünglich an S. Croce angesiedelt war, an den Konvent verlegt. Die Scuola erhielt damit auch das Recht, ihre religiösen Feiern in der Hauptapsis abzuhalten.
Wenn man in Betracht zieht, dass der Schlussstein der zwölf Gewölbepfeiler dieser Apsis den Markuslöwen mit dem Buch zeigt, das Wappentier der Scuola Grande, und dass sich der Stil dieser Apsiskapelle auch in anderen Kirchen aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts findet, kann man davon ausgehen, dass dieser Teil von den Oberen der Scuola erneuert oder vollendet worden ist. (Gino Fogolari: “Frari e i SS. Giovanni e Paolo”, Milano 1949).

Pantheon der Dogen

In seiner “Geschichte des osmanischen Reiches“ bezeichnet Joseph von Hammer-Purgstall S. Zanipolo als „Pantheon der Dogen“. Und da den Mittelpunkt der Größe der Serenissma, ihres Aufblühens und ihrer Entwicklung, die Dogen darstellten, kann S. Zanipolo als Synthese des venezianischen Ruhms definiert werden.
Bereits Ende des 13. Jahrhunderts hatten hier vier Dogen eine würdige Grabstätte gefunden: Jacopo Tiepolo, der Stifter, Renier Zen, Lorenzo Tiepolo und Giovanni Dandolo. Und so blieb es. Allein im 14. Jahrhundert wurden von vierzehn Dogen acht hier bestattet. In der Mitte des 15. Jahrhunderts bestimmte der Rat der Stadt, dass die festlichen Trauerfeiern aller Dogen in S. Zanipolo zu halten seien, selbst wenn die Beisetzungen an anderen Orten stattfänden. Um diese offiziellen Feierlichkeiten uneingeschränkt abhalten zu können, wurde 1682 das Chorgestühl, das sich (wie in der Frari-Kirche) in der Mitte des Kirchenschiffes, innerhalb der beiden ersten Joche vor dem Altarraum, befunden hatte, abgebaut und in Teilen in das Presbyterium versetzt.

Die Grabmäler im Inneren der Basilika

Jedes Grabmal in der Kirche gibt eine Seite der jahrhundertealten, ehrwürdigen Geschichte Venedigs wieder; erzählt von ihrer Stärke und ihren Siegen.
Das Grabmal Vittor Pisanis (in der Kapelle der hl. Maria Magdalena) erinnert an den Sieg über die große Rivalin Genua in der entscheidenden Schlacht von Chioggia (1380).
Vor der Kapelle des heiligsten Namens Jesu, unter der Marmorplatte, ruht jener Alvise Diedo, der die von Mehmed II. in der Bucht von Konstantinopel eingeschlossene venezianische Flotte 1453 sicher zurück brachte.
Die Haut des venezianischen Helden schlechthin, Marcantonio Bragadin, die hier in einer Urne aufbewahrt wird, erinnert an die Belagerung und den Fall von Famagosta 1571.
Der großen Seeschlacht von Lepanto, die im gleichen Jahr stattfand, wird in der Rosenkranzkapelle gedacht, dem offiziellen Erinnerungsbau der Republik. Rechts am Eingang der Kapelle ruhen die sterblichen Überreste des Siegers, Sebastiano Veniers.
Der jahrhundertelange Kampf mit dem unbeugsamen türkischen Feind endete am 26. Juni 1656 (dem Fest der hl. Johannes und Paulus), als Lazzaro Mocenigo die feindliche Flotte versenkt hatte und in die Meerenge der Dardanellen eindrang, wo er siegreich den Tod fand. An diese Ereignisse erinnert das grandiose Mausoleum der Familie Bertucci Valier, der der Doge zur Zeit der Schlacht entstammte.
Die vielleicht größte Bedrohung im Verlauf der Geschichte erfuhr Venedig durch die Liga von Cambrai (1508). Auf seinem Grabmal in der Hauptapsis wendet sich der große Doge Leonardo Loredan noch schützend mit seinem Körper gegen die drohende Gefahr für Venedig.
Nicolò Orsini, Graf von Pitigliano, Leonardo da Prato und Dionigi Nando di Brisighella, Kapitäne der venezianischen Infanterie gegen die Liga von Cambrai haben hier ihr Grabmal.
Das Grabmal für Orazio Baglioni und Pompeo Giustiniani, gefallen bei der Überschreitung des Isonzo und auf dem Karst, hält die Erinnerung an den Kampf gegen Österreich und die Verteidigung des dalmatischen und julianischen Hinterlandes wach.
Genua, die Türkei, die Liga von Cambrai, Österreich: die entscheidenden Seiten des venezianischen Epos sind durch künstlerisches Genie in S. Zanipolo unsterblich gemacht worden. Die Fassade der Kirche könnte zurecht die von Napoleon für das Pariser Pantheon vorgesehene Inschrift tragen: “Aux grand Hommes la Patrie reconnaissante”.

Home > Basilica Esterno

> Basilica Interno

> Pittura

> Scultura

Die Geschichte der Basilika ultima modifica: 2016-05-08T07:22:24+00:00 da toni fontana